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8. März – Internationaler Frauentag

Das haben wir uns verdient! Ein Feiertag nur für uns Frauen.

Jedes Jahr findet man zum Internationalen Frauentages in Presse, Funk und Fernsehen eine Menge an Informationen zur seiner Entstehungsgeschichte, zu Erfolgen in der Gleichstellungspolitik, zum Thema Gendermainstreaming, zur Vereinbarkeit von Familie und Beruf und vieles mehr. Ja – Frau sein ist toll, aber nicht immer ganz leicht.

In diesem Jahr habe ich mich gefragt, was kann ich eigentlich aus eigener Erfahrung als Frau und Mutter, seit über 50 Jahren verheiratet, 43 Jahre Berufserfahrung – unter anderem 15 Jahre als Gleichstellungsbeauftragte in einem Landkreis – und vielen Jahren gesellschaftlich und politischen aktiv tätig, zu diesem Thema beitragen?

Viel zu wenig! Inzwischen bin ich eine Rentnerin, nebenbei u.a. Landespolitische Sprecherin der BVB / Freie Wähler, die trotz Festschreibung des Gleichstellungsgrundsatzes in der Verfassung heute feststellen muss, dass wir nach wie vor großen Nachholebedarf haben, Chancengleichheit durchzusetzen und zu leben.

Wie soll ich also hier schreiben?

Als eine kampfeslustige und siegesgewisse Ritterin in der Rüstung auf dem Pferd oder als Burgfräulein, das zaghaft aus dem Turmfenster ruft, als Hexe oder Zauberin?

Oder einfach als eine Frau mit zwei Gesichtern. Auf der einen Hälfte mit lila Frauenzeichen auf der Stirn mit frechem Grinsen – die Feministin – auf der anderen Seite mit BVB-Logo und mit kritischem Stirnrunzeln, die Landespolitische Sprecherin.

Trotz vieler Anstrengungen bestimmen nach wie vor nicht die Lebensbedingungen der Familie sondern die Organisationsbedingungen der Arbeitswelt unsere sozialen Systeme und unsere gesellschaftlichen Vorstellungen. Der Anspruch auf Wiedereinstellung nach einer Familienphase, bessere Rahmenbedingungen für Job-Sharing und Teilzeitarbeit, spielt hier genau wie die Möglichkeiten des Einsatzes von Frauen in leitenden Positionen eine wesentliche Rolle.

Dass das Bild unserer Gesellschaft diese Grundbedingungen aber nicht tatsächlich widerspiegelt hat verschieden Ursachen.

Zum einen beginnt Chancengleichheit in den Köpfen von Männern und Frauen gleichermaßen.

Der gewünschten und verdienten Gleichheit in der Gesellschaft muss das Bewusstsein der Gleichwertigkeit im Kopf vorausgehen. Wir müssen lernen, männliche und weibliche Qualitäten, die unterschiedlich sein können, als gleichwertig zu betrachten, und wir müssen beginnen, die Pflichten, die gewöhnlich den Frauen zugewiesen werden, genauso positiv zu bewerten wie die Pflichten, die traditionell den Männern zugewiesen werden.

Zum anderen müssen wir den Austausch der traditionell geschlechtsgebundenen Rollen wollen und akzeptieren.

Erst wenn dies gelungen ist, haben Frauen wirklich die gleichen Chancen, die sie verdienen.

Das erfordert natürlich eine Veränderung im Bewusstsein von Männern und Frauen. Veränderungen aber sind oft unbequem und verlangen einen Umdenkungsprozess, ein Hinterfragen vertrauter Verhaltensregeln und der gewohnten Aufteilung der Geschlechterrollen, das heißt Auseinandersetzung mit der „Frauenfrage“.

Das bedeutet konkret eine gerechtere Verteilung der qualifizierten und interessanten Arbeitsplätze, der Entscheidungspositionen und der Mandate.

Es bedeutet auch die Hälfte der Familienarbeit für Frauen – die andere Hälfte den Männern zum Ausgleich für das, was sie in anderen Bereichen abgeben sollen.

Von Mao Tse-Tung stammt der schöne Satz: „Nicht nur die Hälfte des Himmels, auch die Hälfte der Erde den Frauen.“

Ich finde, das ist in doppelter Hinsicht ein bemerkenswerter Satz. Er bezeichnet zwei Begründungszusammenhänge für Gleichberechtigung und Gleichstellung der Geschlechter.

M. Urban

7 Antworten

  1. Ďas muesste eigentlich jede frau unterschreiben!
    In meinem Berufsleben als halbtags-arbeitende Mutter, wurde ich nicht befoerdert. Die Antwort einer Chefin: Sie arbeiten ja nur halbtags, haben nur die halbe Erfahrung. Klasse …….
    Wehrt Euch gegen solche Vorwuerfe!

    1. Und das sagt ausgerechnet eine Frau. Das mit der Solidarität von Frauen untereinander muss auch noch geübt werden. 🙂

  2. Ich denke, dass noch viel Zeit ins Land ziehen wird, bis wir Frauen es geschafft haben, dass für uns die Gleichberechtigung an 1. Stelle steht. Solange es in vielen ” Männerköpfen” noch nicht angekommen ist, dass Frauen viel mehr leisten können, als mancher Mann denkt. ( Frauen haben die Gabe, mehrere Sachen mit einmal zu überdenken. Wo der Mann noch lange dran arbeiten muss.) Marion vielen Dank für diesen tollen Beitrag.

    1. Wenn man bedenkt, dass noch 1954 der Deutsche Bundestag ein Gesetz zur Gleichberechtigung verabschiedete, in dem es hieß:
      „Die Frau ist dem Manne gleichgestellt. Berufstätig darf sie nur sein, wenn sie ihre Rolle als Mutter und Ehefrau nicht vernachlässigt. Im Falle einer Meinungsverschiedenheit behält der Mann den Stichentscheid.“
      wird, wie Du schreibst, wirklich noch viel Zeit ins Land ziehen, bis eine tatsächliche Gleichstellung erfolgt ist. 🙂

      1. Sorry. Ich habe im Kommentar vergessen, meinen Namen darunter zu setzen. Wenn man das nicht beachtet, erscheint immer diese Frau oder dieser Herr Anonymus. lol

        1. Kleiner Tipp vom Admin: Wenn Du Dich richitg angemeldet hättest liebe Marion, wäre Dein Name automatisch erschienen und man hätte sogar direkt neben dem Namen Dein Userfoto sehen können. 😉

          1. Wohl wahr, liebe Heike !!
            Aber das mit dem Userfoto kann ich vernachlässigen. In meinem betagten Alter muss man nicht die ganzen Falten sehen. Außerdem weiß ich sowieso nicht mehr, wie alt ich eigentlich bin. Das ändert sich ohnehin jedes Jahr. 🙂

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